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Das Ereignis

Glaubensgeschichten onlineEs geschah an einem finsteren und trüben Tag. Dieser Tag war nicht wie andere Tage. Er kam nicht herein, sondern es war wie finstere Nacht.

Der trübe Himmel glich einem trostlosen, dicken grauen Teppich.

Was sollte es schon geben an diesem Tag, der keiner war? 

Ich fühlte mich schwach und müde, war von Sorge und Kummer erfüllt an diesem Tag, der keiner war. Es viel mir heute so schwer loszugehen, denn eigentlich war ja kein Tag.....

Wie gewohnt stand ich auf, wusch mich und fuhr los. Leer und trostlos fühlte ich mich dabei, alles verlief automatisch. Es war schwer, heute etwas zu fühlen, ich erreichte meine Gefühle nicht, konnte es allein nicht schaffen, heute etwas zu fühlen.....

Als ich weiter auf der Straße fuhr merkte ich auf einmal, daß etwas mit der Zeit heute nicht stimmte. Sie schien stehen geblieben zu sein, oder zumindest empfand ich sie wie eine Ewigkeit, vollzog sich doch alles viel langsamer in mir. Oder war es wirklich so? Ich war doch noch so müde und schwach, wie hätte ich anders empfinden können in diesem Augenblick?

Plötzlich hielt ich an. Ich weiß nicht, was mich dazu bewegte, doch ich hielt einfach an, fuhr rechts an die Straße heran, ließ mein Fahrzeug einfach stehen und ging los. Ja, ich marschierte einfach drauflos. Das war verrückt, wenn man bedachte, daß ich eigentlich meinen Arbeitsplatz antreten mußte. Doch die Zeit war stehengeblieben. Jetzt wußte ich es mit Bestimmtheit. Sie verging nicht, schien ewig wie die dichte graue Wolkenschicht über mir. Der Wald, durch den ich ging, war finster wie der Himmel, wirkte seltsam fremd zu dieser Zeit, aber ich setzte meinen Weg trotzdem fort. Ich ging solange weiter, bis ich zu dieser Lichtung kam. Und den Augenblick dort werde ich wohl niemals vergessen.

Zuerst war es ein Geräusch, nur ein leises Geräusch, ein Flügelschlag, der mich sanft berührte...

Konnte es denn wirklich sein, dass ich ihn nach so langer Zeit wieder sah?

Es war unfaßbar, dass er heute hier erschien, an diesem Tag, der keiner war.

Doch dann sah ich ihn. Er flog auf mich zu und ließ sich nicht weit von mir auf einem großen Baumstamm nieder.

„Bist Du heute nicht schon müde genug?“ rief er mir zu.

„Bist Du heute der allwissende Engel?“ gab ich zurück.

Er antwortete zunächst mit einem Flügelschlag, dann fragte er mich:

„Warum bist DU denn heute hier?“

Die Frage erstaunte und verblüffte mich zugleich.

„Wie meinst Du das, WARUM ich heute hier bin?“

„Ich meinte das genauso, wie ich sagte. Warum bist Du heute hier?“

Zuerst wußte ich nicht, was ich darauf erwiedern sollte.

„Um genau zu sein, weiß ich das gar nicht.“ Entgegnete ich dann schließlich.

„Deswegen ist es oft schwer für Dich. Du weißt öfter nicht, warum Du irgendwo bist.“

Die Aussage stimmte mich auf einmal nachdenklich.

„Dazu könnte ich vielleicht mehr sagen, wenn ich nun genau verstehen würde, was Du damit meinst.“

In diesem Moment lächelte er mir zu und schlug mehrmals mit seinen hell leuchtenden Flügeln.

„Du weißt es, erforsche Dein Inneres.“

Als ich das tat, verstand ich es. Ich fühlte mich zu oft verwirrt und unsicher, kämpfte mit meinem Innersten, um eigentlich jeden Tag neu zu definieren, wohin ich gehen sollte ... und es war schwer, mich zu finden.

„Ich bin heute anders.“ Antwortete ich ihm.

„Offensichtlich bist Du das, denn sonst wärst Du nicht hier.“

„Du wußtest, daß ich kommen würde?“

„Wer könnte Dich besser kennen als der Engel aus dem Wald? Und heute fühle ich, daß Du Hilfe brauchst.“

Dieses wunderbare Geschöpf vermochte es, mich immer fassungsloser zu stimmen.

„Heute? Heißt das, Du bist sonst auch da?“

„In gewissem Sinne heißt es das.“

Jetzt wurde ich neugierig.

„Kannst Du mir helfen, mich zu finden?“

„Jetzt versuchst Du mich auf die Probe stellen. Auf diese Frage könnte ich unumwunden antworten, doch da Du heute hier bist, werde ich davon absehen.“

Langsam wurde ich etwas ungehalten, da ich mich auf den Arm genommen fühlte.

„Willst Du mir als Engel jetzt auch noch einen Streich spielen?“

Er lächelte wieder und schlug mit den Flügeln.

„Übermannt Dich jetzt doch glatt die Ungeduld. Ich werde mir eine Reaktion ersparen, denn von Dir weiß ich, daß Du an mich glaubst.“

„Ja, das tue ich, und auch wenn Du vorher nicht gegenwärtig warst, habe ich es immer getan.“

„Ich weiß, sonst wäre ich jetzt nicht hier. Und um Dir Deine Frage trotzdem zu beantworten: Du BIST. Und Du bist heute HIER!“

Ich glaube, noch nie zuvor hatten mich Worte so nachdenklich gestimmt. Dann geschah etwas völlig Verrücktes:

Es wurde anders in mir. Diese Finsternis wich auf einmal, und ich fühlte mich leicht und frei, unbeschreiblich. Es war, als seien die dunklen, grauen Wolken vom Himmel gewichen und die Sonne an deren Platz getreten, und der Tag kam herein.

Jetzt kam er herein und ich war von einem Gefühl der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit erfüllt, das meinen ganzen Körper übermannte.

Nun war ich nicht mehr schwach und müde, sondern von neuem Leben erfüllt.

Ich sah ihn an.

„Jetzt weiß ich, was dieses Ereignis mir bedeutet,“ antwortete ich.

Seine leuchtenden Augen trafen mich.

„Nun weißt Du auch, warum Du heute hier bist.“

Ja.“

„Und Du weißt, dass es allein Dein starker Glaube war, der Dich hierher finden Dich neue Kraft schöpfen ließ.“

Es gab keinen Zweifel, er hatte recht. Mein fester Glaube an etwas Wunderbares, Außergewöhnliches war es, der dieses vollkommene Geschöpf Gottes zu mir geführt hatte. Trotz meiner schlechten Verfassung und Müdigkeit hatte ich meinen Glauben nie verloren.

„Ich danke Dir,“ entgegnete ich schließlich.

„Danke nicht mir,“ antwortete er, „sondern Deinen wunderbaren Gedanken,  Deiner Glaubenskraft. Dadurch bin ich zu Dir gelangt hier in den Wald als Dein Engel in der Nacht, um Dich wieder zurückzuführen in den Tag.“

Kräftig schlug er noch einmal mit den Flügeln, bevor er sich wieder in die Lüfte erhob und mir dabei noch zurief:

„Zu guter Letzt, merke Dir eins: WENN DU EINMAL DEINE GLAUBENSKRAFT AUFGIBST, STIRBST DU........

Und der Tag war noch nie so hereingekommen wie heute.

 

© Donitatis - Autor: Elisabeth Reuter

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