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Geschichten über Gott zum Nachdenken: Der Lebensweg

 

Der Lebensweg

Eine spirituell bewegende Geschichte über die Bestimmung eines wahren Lebensweges,

die über mysteriöse Pfade zu einem alten Mann an einem großen Baum führt,

der sich gleichsam dem Anlitz Gottes offenbart und den verloren geglaubten Menschen

zum Licht seines inneren Friedens führt.

 

Das YouTube Video zu der Geschichte ist ebenfalls zu empfehlen:

 

Der Lebensweg

Manchmal es geschieht, dass wir durchleben einen ganz bestimmten Lebensabschnitt, in dem wir denken, auf dem richtigen Weg zu sein. In dem Streben nach Lebensglück glauben wir uns irgendwann am Gipfel des Felsens zu wissen. Schließlich fragen wir uns, ob es wirklich die richtige Entscheidung war und wir für immer so leben möchten.

In dieser Geschichte erfährt ein Mensch besonderen Rat durch einen alten Mann und findet dadurch den rechten Pfad seiner wahren Bestimmung im Leben.    

 

Geschichten über Gott zum NachdenkenEs war lange Zeit her, ich weiß nicht einmal genau, wann es gewesen sein muss. Ich erinnere mich nur, dass es sehr lange her war. Doch manchmal, da kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen.

Die Zeitgeister verschwimmen, vereinen sich als ganzheitliches Bildnis. Dann geschieht es, dass Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit verschmelzen… und dann sehe ich mich dort stehen in dem Wissen, dass das immer noch ICH SELBST bin, obwohl ich mir fremd vorkomme.

So ging ich einst dahin irgendwo in die Ferne, hinaus in die endlose Weite einer kargen Felsenlandschaft jenseits unseres Denkens, wanderte dorthin, an einen Ort, an dem die Zeit stillsteht.

Die knorrigen, kahlen Äste ragten empor bis zum grellen Schein des Mondenlichts. Sie schienen pulsierend zu atmen, sich ständig zu bewegen und mich zu beobachten. Überall war dieses Licht. Die Nacht wurde zum hellen Tag und ich wusste, dass ich keine Ruhe finden würde, noch viele Schritte gehen musste, bevor ich schlafen konnte.

Viele Tage marschierte ich durch diese Felsenlandschaft, hatte es eilig, vergaß alles, was hinter mir lag. Jeder Atemzug, den ich mit meinen Schritten vollzog, galt dem Jetzt. Noch niemals zuvor war alles um mich herum so lebendig gewesen wie jetzt.

Ich vernahm die vertrauten Laute engelhafter Wesen, die meinen Gang begleiteten und fühlte die innere Ruhe wachsen, als ich weiterging. Dann kam ich an diesen großen, beinahe gigantischen alten Baum, der mir seine Äste gleichsam einem behütenden Hauch entgegenstreckte und gleichzeitig zu der Stelle, die ich niemals vergessen werde. Es war ein bezeichnender Moment, der mich durchbrach wie Eis.

An dieser Stelle am alten Baum saß ein alter Mann. Ich kannte ihn. Das klingt verrückt, wenn man bedachte, dass ich trotzdem nicht wusste, wer er war.

„Na, Tochter,“ sagte er zu mir und hob den Kopf. „Bist Du auf diesem langen Weg nach Hause zurückgekehrt?“

„Ich bin hier. Das genügt,“ antwortete ich knapp.

„Wenn die Tochter solch einen weiten Weg zurücklegt, um hierher zu gelangen, hat dies seinen Grund.“

„Da Du davon weißt, kannst Du mir darüber erzählen.“

Der Greis blickte mir tief in die Augen, als er antwortete: „Du suchst die Form der Wahrheit zu ergründen, die Du in Dir trägst. Aber bist Du denn nicht schon genug gewandert und hast Deine Weisheit zum Lebensweg heranreifen lassen?“

„Es gibt noch etwas, das ich wissen muss.“

„Oh, ja.“ Er nickte. „Du suchst nach der Antwort auf Deine letzte Frage.“

„So, und wie glaubst Du lautet diese Frage?“

„Du kennst bereits selbst die Antwort darauf.“

„Dann verrate DU sie mir.“

Jetzt stand der alte Mann auf, streckte seine Arme aus und erhob sie beschwörend in die Luft, als er die Worte sprach: „Die Sonne, das Licht, das Gute und Böse, Stärke und Schwäche, nie wird es das eine ohne das andere geben. Und wenn Du meinst schon genug gewandert zu sein, so werden doch immer andere Wege nach Dir rufen, und Du wirst Dir stets über die Endlichkeit des Seins bewusst sein. Es ist wichtig, dass Du Dich dabei selbst niemals aus den Augen verlierst.“

Ich wusste, dass er recht hatte. Denn er war mehr als ein alter Mann an einem fast verdorrten großen Baum, der genauso wie der Greis trotz der vielen Jahre, die er überdauert hatte, niemals wirklich altern und irgendwann sterben würde.

„Sage mir, was mich bewegt, Greis.“

„Du selbst bist es.“

„Du offenbarst Dich mir in Weisheit und weißt genau, warum ich hier bin.“

„Unterschätze niemals Deiner selbst.“

„Ich bedürfe Deinem Rat an diesem Baum. Genau deshalb bin ich heute hier.“

Jetzt traf mich der Blick des alten Mannes so intensiv, dass mich ein unbeschreibliches Gefühl überkam, das mich aufwühlte.

„Der Gipfel des Felsens ist es, der Dich bewegt und hierher führte. Wirst Du dort verweilen wollen in Deinem Lebensweg?“

„Dann weißt Du es also doch.“

„Ich sagte es bereits. Und genauso meine ich es: Dich selbst solltest Du nicht unterschätzen. Und Tochter: hast Du auch darauf die Wahrheit Deiner selbst gefunden, die Du zu ergründen suchst?“

Jetzt wurde ich sehr nachdenklich. Denn durch seine Worte sah ich plötzlich alles deutlich vor mir: die Wahrheit über meinen Lebensweg. Und ich wusste die Antwort, kannte den Grund für meine ganzen Zweifel.

„Es ist der Gipfel des Felsens. Ich gelangte niemals dorthin. Nicht wirklich.“

„Nein, Du kamst nur bis an den Felsen. Doch Deine Seele war unerfüllt und wanderte andere Wege.“

Ich sah den alten Mann fragend an.

„Kann ich denn wirklich dort verweilen?“

Jetzt kam ein Lächeln über sein Gesicht.

„Von welchem irdischen Ort aus könntest Du die unermessliche Weite dieser Welt besser sehen als vom Gipfel des Felsens?“

„Nirgendwo wäre mir das in dieser Weise möglich. Das weiß ich.“

„Dann ist dies Dein Zuhause und wird es bleiben für Deine Zeit dort. Gehe dahin und nehme diese Worte mit auf Deinen Weg, denn sie werden Dich stets erleuchten und behüten.“

Keine Erklärung fand ich je dafür, brauchte sie auch nicht, denn ich war noch niemals zuvor von einer derartig inneren Zufriedenheit erfüllt gewesen wie zu jener Zeit, als dieses Ereignis, das sich damals in der Ferne zutrug, einen wichtigen Teil meiner Lebensgeschichte schrieb, wenn ich nicht schlafen konnte und keine Ruhe fand. Nun hatte ich meinen Frieden gefunden.

Und Gott sprach: ich will Dein Licht sein in der Finsternis auf das Du auf rechten Pfaden wandern mögest bis zur Bestimmung Deines wahren Lebensweges, das sich Dir in meinem Antlitz offenbaren wird.    

 

© Donitatis - Autor: Elisabeth Reuter 
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