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Erzählungen über das Innere der Seele: Schlafwandler

Schlafwandler

Irgendwann in der Geschichte der Zeit jenseits der heiligen Welt geschah dies.

Finstere Wolken bedeckten den Himmel, verdunkelten die tiefschwarze Nacht noch mehr, so bedrohlich, so verheißungsvoll, verbreiteten die Angst gleichsam einem schwarzen Schleier, der mich umhüllte in dieser Nacht und mir beinahe den Atem zu nehmen schien.

So war ich ruhelos, wanderte umher, Schweißperlen standen mir im Gesicht und ich fand keine Ruhe in dieser Nacht, war ich doch allein und hilflos mit mir, von niemandem umgeben, nur von dieser Nacht, und ich spürte wieder diese Angst, so gegenwärtig, so nah. Sie überkam mich wie ein kalter Schauder.

Erzählungen über das Innere der Seele„Bist Du lange Jahre nicht schon genug gewandert?“

Ich vernahm einen Windhauch, dann einen Flügelschlag. Ein himmlisches Lichtwesen, mehr einem wunderbaren Traum entsprungen als der Wirklichkeit stand vor mir. Was geschah mit mir, dass mich dieses geflügelte Wesen hier aufsuchte? Ich wusste nicht, warum es hier war, aber es war wunderschön.

„Wie meinst Du das, ich bin gewandert? Jeder wandert doch in gewissem Sinne.“

„In gewissem Sinne ist das korrekt, aber bei Dir ist es die Angst, die Dich niemals rasten lässt.“

„Woher willst Du das wissen?“

„Wärst Du kein Schlafwandler, wäre ich nicht hier.“

„Schlafwandler? Bist Du gekommen, zu erfüllen mich mit Hohn und Spott?

„Mit Nichten, denn Du bist derjenige, der von ewiger Nacht umgeben ist und wie ein Schlafwandler ewig durch die Dunkelheit wandert. Die Angst ist es, die Dich niemals rasten lässt und die Dir einst Dein Licht genommen hat. Doch es ist nicht wirklich erloschen, wie Du all die Jahre glaubst.“

„Du verwirrst mich mit Deinen wahren Worten wie die Angst, die gegenwärtig ist.“

„Beides kannst Du nicht ertragen, würdest Du es doch am liebsten von Dir stoßen. Aber WIR sind hier.“

„Die Angst ist unerträglich.“

„Das ist sie, weil Du sie nicht ihrer Wege ziehen lässt. Sie würde Dich nie erreichen, wenn Du ihr durch Dein Gemüt nicht stets Einlass gewähren würdest.“

„Ich habe keinen Einfluss darauf.“

„Weil Du nicht an Dich glaubst, an Deine Stärke und das Bewusstsein über Dein eigenes ICH nicht erlangt und zu Dir selbst gefunden hast. Vor sehr langer Zeit hat man Dir einen Teil Deines Selbst genommen, das Du seitdem nicht wiedergefunden hast.“

„Ich habe mich mit den meisten Dingen beschäftigt und sie verarbeitet.“

„Erforsche Dein Inneres. Deine Angst ist auf etwas Spezielles gerichtet, auf eine erlebte Situation, die sich wiederholt hat und die ein anderer Mensch in Dir ausgelöst hat. Du suchst ständig die angstauslösende Situation zu vermeiden. Solange Dir dies gelingt, wirst Du auch nicht mit Deiner Angst konfrontiert. Da Du jetzt länger nicht damit konfrontiert wurdest und heute diese Angst wieder intensiv in Dir fühlst, hast Du auch keinen einzigen Bruchteil davon verarbeitet. Deine Lebensqualität hängt in starkem Maße damit zusammen, inwieweit die phobische Situation vermieden werden kann, doch veranlasst Dich dies zur Duldung von Ereignissen und Zuständen, denen Du Dich andernfalls entwunden hättest.“

“Wer bist Du, dass Du mir all dies offenbarst?“

„Ein Wesen, dass von Gott gesandt ist. Und um Dir Deine Frage zu beantworten: ich BIN.“

„Was soll das heißen, ICH BIN?“

„Das soll heißen, ich bin ich selbst, mir bewusst über mein eigenes ich, selbst verantwortlich für mein Tun und Handeln und niemandem sonst. Deshalb weiß ich auch genau, was ich will, denn ich bin ein Geschöpf der Sehenskraft. Meine Gedanken sind klar.“

„Du blendest mich.“

„Weil meine Gedanken so klar sind.“

„Ja, deshalb. Lasse mich das Eine wissen: welchen Rat gibst Du mir mit auf den Weg?“

„Wende Dich zuerst Dir selbst zu, Deinem Glauben. Erst wenn Deine Persönlichkeit aufersteht und standhaft verbleibt, wirst Du weitere Schritte tun können, die klar sein werden und nicht von trübenden Gedanken begleitet. Das Trübende um Dich herum muss verblassen, für immer von dannen ziehen. Stoße es von Dir, Du brauchst es gar nicht, denn Du kannst zu Dir selbst finden und stark genug werden, um die Angst zu bezwingen.“

„Meine Stärke liegt in weiter Ferne. So erliege ich immer wieder meiner Angst. Sage mir: ist es mein Schicksal, in Finsternis zu wandeln?“

„Wir werden zu dem, was wir zulassen. Unser Schicksal wird geschmiedet von unserem Glauben. Wenn wir ihn verlieren, erreicht uns eines Tages die Finsternis. So wird auch Dein Los von Gott bestimmt. Gelingt es Dir nicht, aus diesem schlafenden Zustand zu erwachen, wirst Du immer wieder dieser gähnenden, emotionslosen Leere verfallen, begleitet von wirren Gefühlen, die gegeneinander ringen und sich zu keinem klaren Gesamtbild in Deinem Geiste fügen können. In diesem Zustand Deiner Verwirrung wird es niemals einen Gewinner geben. Bedenke: das Schlafende in Dir muss erwachen.“

„Aber die Angst.“

„Auch die Angst ist bezwingbar. Sie selbst wächst und fällt mit Deinem unterbewussten Willen und ist so stark, wie Du es zulässt. Das erlebte Ereignis, welches einst in Dir die Angst auslöste, gehört lange Zeit schon der Vergangenheit an. Es ist vorüber und wird sich in der Realität niemals wiederholen. Lasse nicht zu, dass es in Form dieser Angst in Dir weiterlebt und Dich zerstört. Das Opfer, das Du dafür bringst ist umsonst, da der Grund dafür in Wirklichkeit gar nicht mehr existiert. Fühlst Du nicht Gott in Dir, der Deine Hand berührt?“

„Du wundervolles Geschöpf Gottes bringst Klarheit in meine zerstreute Welt. Wie ist es möglich, dass es in mir auf einmal anders wird?“

„Weil Du nun selbst siehst, dass der Schatten in Dir stets Begleiter Deiner Seele war, obwohl er bloß zu irgendeinem Zeitpunkt Deiner Vergangenheit entsprungen ist. Darüber bist Du Dir nie wirklich bewusst geworden. Du glaubtest an ihn, deshalb gab es ihn. Nur deshalb.

Und wenn Du Dich jetzt herumdrehst liegt im verborgenen Scheine was Deiner Seele bis in alle Ewigkeit Frieden bescheren wird: das Werk Gottes, welches er in Dir vollbringt. Fühlst Du jetzt, wie die Finsternis gewichen ist?

„Ja.“

Und Gott sprach: Ich bin der Herr des Lichts, führe Dich sicher an der Hand auf das Du jede Finsternis überwindest. So bin ich bei Dir alle Tage als Dein Beschützer fortan, auf dass Du niemals wieder in Angst verweilst.

 

© Donitatis - Autor: Elisabeth Reuter

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