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Warum religiöse Werte für Kinder persönliche Identität stiften

Die Vermittlung grundlegender Haltungen und Lebenseinstellungen im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben sind trotz unseres modernen Zeitalters der unverbindlichen Werteordnung für die menschliche Existenz und das künftige Fortbestehen elementar. Diesen Grundhaltungen und Lebenseinstellungen liegen feste Verhaltensmuster zugrunde, durch die wir alle unsere Entscheidungen treffen. Sie werden nachhaltig durch Persönlichkeitsbildung und Charakter in der frühen Kindheit geprägt. Somit beginnt jeder Ursprung unseres Denkens und Verhaltens für die spätere Weltanschauung bei unseren Kindern. Es obliegt allein unserem Bewusstsein und unserer Verantwortung, ihnen konsequente Glaubenswerte mit auf ihren Weg zu geben, die dauerhaft Bestand haben und ihnen als zentrale Lebensorientierung dienen.      

Warum religiöse Werte persönliche Identität stiftenGenügt es in diesem Zusammenhang wirklich, solche Werte ausschließlich über Bildung und Wissen im Alltag zu vermitteln?

Kinder besitzen einen enormen Lern- und Wissensdrang. Sie nehmen die Welt mit jeder Faser ihrer Empfindung wahr und möchten die Antworten auf ihre vielfältigen Fragen wissen, die ihnen bei ihrer Entdeckungsreise begegnen. Doch viele Dinge bei der Erschließung der Welt gehen weitaus tiefer. So sind religiöse Gebäude, Gegenstände und Bräuche mit zahlreichen Fragen rund um Lebenssinn, Erfahrungen und Handlungsgrundsätzen behaftet, für deren Erschließung es viel mehr bedarf, um überlieferte Werte und Normen nicht nur zu begreifen, sondern auch als eigene Standpunkte für den späteren Lebensweg zu verinnerlichen.

Schauen wir uns genauer in der Welt um, können wir feststellen, dass Kinder kontinuierlich von religiösen Glaubenssymbolen umgeben sind. Was aber hat Gott mit seiner Schaffenskraft vollbracht, das trotz unseres modernen Zeitalters und der unverbindlichen Werteordnung immer noch von solcher Anziehungskraft und insbesondere elementarer Identitäts- und Sinnstiftung für unsere Persönlichkeit ist und Religionen seit Urzeiten geprägt hat?

Vor allem klare Werte und Normen einer zentralen Grundorientierung als Voraussetzung für ein sozial existentes und zukunftsträchtiges, gedeihendes Leben. Eine religiöse Einstellung stiftet nachhaltig Identität für die Entwicklung einer konstanten und stabilen Persönlichkeit im Menschen. Kein anderes Thema geht so intensiv auf grundlegende Auffassungen und Auslegungen zwischen Gott, den Menschen und die Welt ein wie Religion und Glauben.

Es ist der Weg in die Gemeinschaftsfähigkeit und sichere Zukunft des Menschen, der selbst in unserer heutigen modernen Zeit des schnelllebigen Wandels in dem unausweichlichen Schicksal einer grundlegenden Konstante begründet liegt. Und diese Konstante führt zu einem klar definierten System der Werteordnung, wie sie dem christlichen Glauben zugrunde liegt.

Das religiöse Werteverständnis beginnt in der Familie

Genau deshalb ist es heute wichtiger denn je, Kindern religiöse Werte zu vermitteln. Nicht nur durch den Religionsunterricht, sondern vor allem auch in der Familie. Denn das grundlegende Werteverständnis beginnt in dem eigenen sozialen Umfeld unter der Voraussetzung eines bestehenden Grundvertrauens, das in der Beziehung zwischen Eltern und Kind begründet liegt. Bei näherer Betrachtung des Wertes Vertrauen stellen wir fest, dass dieser bereits einen fundamentalen Glaubenswert in der familiären Lebensgemeinschaft darstellt.  

Moralische Werte und christliche Einstellung sind somit nicht allein das Ergebnis eines guten Religionsunterrichts, sondern leiten sich primär aus dem täglichen Leben und der Lebensgestaltung in der Familie ab. Vor allem das Verhalten der Eltern übt entscheidenden Einfluss auf die Prägung der Kinder aus. Dazu gehört der tägliche Umgang miteinander. Jedes kleinste Detail ist dabei maßgebend. Beispielsweise sind die Themen wichtig, über die sich die Familie unterhält oder auch die täglichen Gemeinsamkeiten, die Eltern in Form von Ritualen mit ihren Kindern praktizieren. Das Verhalten der Eltern geht den Kindern dabei maßgeblich als Vorbildfunktion voraus. Alle denkbaren Formen des elterlichen Verhaltens lösen dabei eine prägende Empfindung aus, die sich im Kopf der Kinder verankert und später ihre Einstellung prägt.

Das Wissen um christliche Rituale und Symbole war in früheren Generationen eine Selbstverständlichkeit genauso wie der regelmäßige Kirchenbesuch und das Praktizieren religiöser Rituale innerhalb der Familie. Es gab das gemeinsame Gebet beim Essen, bei dem man Gott für das tägliche Brot dankte. Aber auch am Abend oder Morgen war das Gebet üblich oder auch, wenn ein Familienmitglied das Haus verließ – ferner wurden Lieder gesungen oder Geschichten vorgelesen. Die Familien folgten traditionell vorgegebenen Lebensregeln.

Im Bunde ihrer Gemeinschaft und im Zeichen ihres christlichen Glaubens waren sie auf Grundlage ihrer Wertevorstellungen stets vereint und in harmonischer Liebe zueinander stehend. Durch diese religiösen Rituale wurden Familien gestärkt und auch das Vertrauen untereinander gefestigt. Vor allem Kinder fühlten sich in diesem von Liebe, Wärme und klar geregelter Lebensführung bestimmten Umfeld geborgen und sicher. Gewachsenes Vertrauen war im Elternhaus gegeben, und dies zu jeder Zeit. Es war das sichere Heim, in das man immer zurückkehren konnte und offenherzig mit Liebe empfangen wurde.

Vertrauen und Sicherheit ist ohne Zweifel das Wichtigste, was unsere Kinder heute besonders brauchen, denn gerade in der schnelllebigen, vom ständigen Wandel geprägten Welt gehen diese Werte zunehmend verloren – ebenso wie Beständigkeit, Wärme und lebenslang währende Liebe. Kinder brauchen besondere Menschen, die sie in ihrem täglichen Leben in einem Umfeld der Geborgenheit, Wärme und des Vertrauens an den religiösen Glauben heranführen. Kinder brauchen stabile, verlässliche Beziehungen und Eltern, die für sie Zeit haben und ihnen zuhören.

Religiöse Werte vermitteln durch Geschichten und besondere Aufgaben

Eine intensive Form der religiösen Wertevermittlung stellen christliche Geschichten und biblische Erzählungen dar. Es gibt zahlreiche geeignete Möglichkeiten Kindern diese Inhalte aufschluss- und interessenreich zu vermitteln. Man kann aus einem Buch vorlesen, die Geschichte selbst erzählen, zusammen ein christliches Hörspiel hören oder sich an einem religiösen Spiel erfreuen oder gar über bestimmte Szenen oder Ereignisse konkret mit dem Kind sprechen. So können die Kinder auf eine angenehme Art und Weise viel über Jesus Christus und sein Leben erfahren. Das Gebet gehört ohne Zweifel mit zu den am meisten ausgeprägten, christlichen Ausdrucksformen, das auch Kindern eine gute Möglichkeit bietet, ein entsprechendes Bild von Gott aufzubauen. In Form von Gebetswürfeln kann hier beispielsweise das Spielen mit dem Wort Gottes verbunden werden.  

Wenn das Kind das entsprechende Alter erreicht hat, ist auch der Dienst in einer kirchlichen Gemeinde als Ministrantin oder Ministrant eine hervorragende Möglichkeit, christliche Werte, Glauben und Symbole in dem unmittelbaren Umfeld der intensiven Beziehung zu Gott hautnah zu erleben und diese religiösen Grundwerte in der Praxis zu verinnerlichen.

Denn ob moderne Gesellschaft oder nicht – Religion ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens und unserer Entwicklung. Der christliche Glaube ermöglicht es uns, die Welt in einem neuen, strahlenden Licht der Hoffnung, Liebe und Zuversicht zu sehen. Religiöse Werte im Zeichen des Glaubens gibt es seit Anbeginn unserer Zeit. Es ist nicht etwas, das erst entstehen muss, sondern etwas, das bereits vorhanden ist. Somit müssen Kinder religiöse Werte nicht erst erlernen, sondern lediglich von ihnen erfahren und sie als ein wesentliches Fundament ihrer persönlichen Identität erkennen und annehmen.

Sehen wir deshalb unsere Kinder als Abbild Gottes an, die uns geschenkt werden, damit wir ihnen in unserem vollen Verantwortungsbewusstsein mit Achtung begegnen und ihnen Freude, Hoffnung und Schutz gewähren. So werden Kinder im Umgang mit uns positive Erfahrungen machen und uns ihr Vertrauen schenken. Und dies wiederum befähigt sie zur inneren Zuversicht, sich über eigene Stärken bewusst zu werden und diese für sich und ihr Leben auszubauen. Denn diese Kraft ist ihnen von Gott gegeben, auf dass sie Orientierung und Halt finden, um eines Tages seine erfahrene Liebe ebenso an ihre Nachkommen weiterzugeben. So tragen sie das Lebenslicht Gottes in die weite Welt hinaus.    

© Donitatis - Autor: Rudolf Ruppel